Öffentlicher Dienst der Länder: 2. Verhandlungsrunde im TV-L am 16. Januar 2026 Aktueller Stand
Am Start des zweiten Tages der laufenden zweiten TV-L Tarifrunde 2025 erhöhen ver.di und der Beamtenbund dbb den Druck und stellen weitere, umfangreiche Warnstreiks in Aussicht. Die Arbeitgeber halten dagegen an ihrer klaren Ablehnung fest und argumentieren, eine Gehaltssteigerung von sieben Prozent sei für die Haushalte der Länder wirtschaftlich nicht tragbar.
Was hat die zweite Verhandlungsrunde am 16. Januar gebracht?
Auch die zweite Verhandlungsrunde in der Tarifrunde für den öffentlichen Dienst der Länder ist ohne Einigung zu Ende gegangen. Am 15. und 16. Januar 2026 verhandelten die Gewerkschaften und die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) in Potsdam. Ein abschlussfähiges Angebot legten die Arbeitgeber erneut nicht vor. Stattdessen präsentierte die TdL erstmals Eckpunkte für einen möglichen Einigungskorridor. Die Gewerkschaften reagieren enttäuscht und kündigen an, den Druck deutlich zu erhöhen.
Was kritisiert ver.di am Verlauf der Verhandlungen?
Aus Sicht von ver.di bleibt die Arbeitgeberseite deutlich hinter den Erwartungen zurück. Der ver.di-Vorsitzende und Verhandlungsführer Frank Werneke erklärte am Freitag in Potsdam, die TdL habe kein verbindliches Angebot vorgelegt und stattdessen lediglich von einem „Plus oberhalb der Inflation“ gesprochen. Das werde der Belastung vieler Beschäftigter nicht gerecht.
Werneke kritisierte insbesondere die angestrebte lange Laufzeit von 29 Monaten sowie die fehlenden Fortschritte bei zentralen Forderungen. Nach seiner Einschätzung laufe es auf einen Abschluss hinaus, der unter dem Ergebnis für Bund und Kommunen liegen würde. Zudem seien die angekündigten Verbesserungen für Nachwuchskräfte deutlich kleiner ausgefallen als zuvor in Aussicht gestellt. Auch beim tariflichen Schutz studentischer Beschäftigter gebe es aus Sicht der Arbeitgeber bislang keinerlei Bewegung. Insgesamt, so Werneke, hätten die Länder „den Ernst der Lage für viele Beschäftigte nicht erkannt“.
Wie bewertet der dbb die zweite Verhandlungsrunde?
Der dbb fällt ein deutlich kritischer Urteil. dbb-Chef und Verhandlungsführer Volker Geyer sprach nach Abschluss der Gespräche von einer enttäuschenden Runde ohne echte Bewegung. Ziel sei es gewesen, einen klaren Einigungskorridor zu entwickeln, um Mitte Februar abschlussfähig zu sein. Dieses Ziel habe die TdL aus seiner Sicht nicht verfolgt.
Geyer kritisierte, dass die Arbeitgeber vor allem benannt hätten, was nicht möglich sei. Antworten auf die Frage, wie die Länder im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen und den wachsenden Personalmangel bekämpfen wollen, habe es nicht gegeben. Sollte sich der Kurs in der dritten Runde fortsetzen, drohten die Verhandlungen aus seiner Sicht zu scheitern.
Der dbb kündigte an, die Streik- und Protestaktionen deutlich auszuweiten. Betroffen sein könnten unter anderem weitere Unikliniken, Straßenräumdienste sowie Beschäftigte in Schulen, Rechenzentren und Finanzämtern. Geyer entschuldigte sich bereits jetzt bei der Bevölkerung für mögliche Einschränkungen, machte dafür aber die Arbeitgeber verantwortlich.
Was hat die TdL konkret vorgeschlagen?
Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder spricht von ersten Fortschritten. Nach eigenen Angaben legte sie Eckpunkte für einen möglichen Einigungskorridor vor. Vorgesehen ist eine Entgelterhöhung leicht über der Inflation in drei Stufen über die Haushaltsjahre 2026 bis 2028. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll bis Ende März 2028 betragen, was insgesamt einer Steigerung von rund fünf Prozent entsprechen würde.
Darüber hinaus stellte die TdL ein sogenanntes Azubi-Paket vor. Dieses sieht unter anderem eine Erhöhung der Ausbildungsentgelte um insgesamt 120 Euro in drei Schritten, die Fortführung der bisherigen Übernahmeregelungen sowie eine Ost-West-Angleichung der vermögenswirksamen Leistungen vor. Für übernommene Auszubildende mit mindestens gutem Abschluss soll zudem das Erreichen der Stufe 2 um sechs Monate vorgezogen werden.
Weitere Bestandteile des Pakets sind höhere Schicht- und Wechselschichtzulagen, steigende Mindeststundenentgelte für studentische Beschäftigte sowie ein Strukturpaket zur Weiterentwicklung des Eingruppierungsrechts. Zu diesen Punkten soll bis zur Schlussrunde im Februar eine gemeinsame Arbeitsgruppe Vorschläge erarbeiten.
TdL-Verhandlungsführer und Hamburgs Finanzsenator Dr. Andreas Dressel erklärte, man habe damit einen realistischen Pfad für eine Einigung aufgezeigt und sei bereit, zentrale Forderungen der Gewerkschaften zu erfüllen. Trotz großer Differenzen seien die Gespräche konstruktiv verlaufen.
Das sind die Eckpunkte des Einigungskorridor der TdL
Mit den folgenden Eckpunkten hat die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) in der zweiten Verhandlungsrunde erstmals umrissen, unter welchen Bedingungen sie sich einen Abschluss vorstellen kann. Ein konkretes Angebot ist damit noch nicht verbunden, die Punkte markieren aus Sicht der Arbeitgeber aber den möglichen Rahmen für eine Einigung.
Die Eckpunkte der TdL im Überblick:
Entgeltentwicklung
Erhöhung der Tabellenentgelte leicht über der Inflation
Umsetzung in drei Stufen in den Jahren 2026, 2027 und 2028
Laufzeit: 29 Monate bis zum 31. März 2028
Gesamtwirkung nach TdL-Angaben: rund 5 Prozent über die Laufzeit
Azubi-Paket
120 Euro mehr Ausbildungsvergütung in drei Stufen
Fortführung der bisherigen Übernahmeregelungen
Angleichung der vermögenswirksamen Leistungen Ost an West
Vorziehen des Erreichens der Stufe 2 um sechs Monate bei mindestens gutem Abschluss
Erhöhung der Abschlussprämie für leistungsstarke Auszubildende
Schicht- und Wechselschichtzulagen
Wechselschichtzulage: von 105 auf 150 Euro
Schichtzulage: von 40 auf 60 Euro
Studentische Beschäftigte
Mindeststundenentgelte oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns:
15,06 Euro ab Sommersemester 2026
15,76 Euro ab Sommersemester 2027
16,49 Euro ab Sommersemester 2028
Strukturpaket Eingruppierungsrecht
Weiterentwicklung des Eingruppierungsrechts unter Berücksichtigung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie
Möglichkeit abgestufter und leistungsdifferenzierter Eingruppierung mit Bestandsschutz
Paralleltabelle für Lehrkräfte ab dem Schuljahr 2028/2029
Stufengleiche Höhergruppierung
Überprüfung der Überstundenregelungen für Teilzeit
Einrichtung einer Arbeitsgruppe mit dem Ziel eines gemeinsamen Vorschlags bis zur Schlussrunde im Februar
Quelle: TDL Einigungskorridor
Wie passen diese Eckpunkte zu den Forderungen der Gewerkschaften?
In einzelnen Punkten gibt es Überschneidungen, insgesamt liegen die Positionen aber weit auseinander. Positiv aus Gewerkschaftssicht sind vor allem die vorgesehenen Verbesserungen für Auszubildende, höhere Schichtzulagen und steigende Mindeststundenentgelte für studentische Beschäftigte. Diese Themen greifen zentrale Forderungen von ver.di, dbb und den weiteren beteiligten Gewerkschaften zumindest teilweise auf.
Deutlich widersprüchlich sind die Vorstellungen jedoch bei den Kernfragen Entgelt und Laufzeit. Während die Gewerkschaften sieben Prozent mehr Gehalt, mindestens 300 Euro, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten fordern, setzt die TdL auf eine lange Laufzeit von 29 Monaten und ein Entgeltplus, das sich nach eigener Rechnung auf etwa fünf Prozent summiert. Auch bei der tariflichen Absicherung studentischer Beschäftigter und bei verbindlichen Übernahmezusagen für Nachwuchskräfte bleiben die Arbeitgeber aus Sicht der Gewerkschaften hinter den Erwartungen zurück.
Unterm Strich markieren die Eckpunkte der TdL eher einen Verhandlungsrahmen als eine echte Annäherung. Ob daraus in der dritten Runde ein abschlussfähiges Angebot entsteht, bleibt offen.
Wie geht es in der Tarifrunde weiter?
In zentralen Fragen zu Entgelthöhe, Laufzeit, Nachwuchsgewinnung und tarifliche Absicherung studentischer Beschäftigter zeichnet sich bislang keine Annäherung ab. Die Gewerkschaften halten an ihren Forderungen fest, darunter sieben Prozent mehr Entgelt, mindestens jedoch 300 Euro, höhere Vergütungen und sichere Übernahmen für Auszubildende sowie ein tariflich garantiertes Mindeststundenentgelt für Studierende.
Die dritte Verhandlungsrunde ist für ab dem 11. Februar 2026 erneut in Potsdam angesetzt. Bis dahin dürfte der Druck auf die Länder deutlich steigen.
Die wichtigsten Termine zur Tarifrunde 2025/2026 TV-L
17. November 2025: Forderungen vorgestellt
3. Dezember 2025: Erste Verhandlungsrunde
15.–16. Januar 2026: Zweite Runde
11.–13. Februar 2026: Dritte Runde